Reisetipp: Venedig

 

Allgemeines

Nach Venedig? Und dann auch noch mit dem Motorrad? Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Gibt es doch in Venedig statt asphaltierter Straßen nur wassergefüllte Kanäle. Und wurde über Venedig nicht schon alles zigmal gezeigt, gefilmt und geschrieben? Auch diese Frage hat ihre Berechtigung. Und dennoch: Selbst noch im 21. Jahrhundert überrascht Venedig den Besucher. Denn diese Stadt ist trotz aller Touristenmassen so schön, so bezaubernd, so eigen, so ganz anders als andere Metropolen auf der Welt.

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Anfahrt

Mit dem Motorrad gibt es im Grunde zwei sinnvolle Varianten für einen Venedig-Besuch: Entweder man unternimmt einen Tagesausflug und fährt abends wieder weiter, oder man verbringt ein paar Nächte außerhalb der Stadt und fährt tagsüber nach Venedig hinein. Im Zentrum zu wohnen ist erstens teuer und zweitens: Wo bleibt das Motorrad?

 

Wer z. B. in den Dolomiten einen Motorradurlaub verbringt, für den bietet sich Variante eins an. Über den Giau-Pass und das Val di Zoldo ist man in eineinhalb Stunden in Belluno, von wo es noch rund 70 Kilometer Autobahn bis Venedig sind. Wer im Etschtal zwischen Meran und Trento wohnt, fährt am besten komplett auf der Autobahn über Verona und Padua. Zum Schluss folgt man einfach den Schildern Venedig, überquert auf dem Damm die Lagune und wird automatisch in eines der großen Parkhäuser an der Piazzale Roma geleitet. Dort steht die Maschine für rund 30,00 Euro am Tag sicher und trocken. Piazzale Roma ist eine Haltestation verschiedener Bootslinien, die einen direkt in Zentrum von Venedig bringen.

Für Variante zwei empfehlen sich als Standorte entweder die Stadt Mestre auf dem Festland vor Venedig oder die Halbinsel von Cavallino an der Adria im Osten. Mestre gewinnt zwar keinen Schönheitswettbewerb, besitzt jedoch viele Hotels, zwei Campingplätze und eine perfekte Schiffsverbindung nach Venedig. Reizvoller hingegen wohnt man auf der Cavallino-Halbinsel. Dort reiht sich ein Campingplatz an den anderen, Hotels und Pensionen gibt es jede Menge. Man folgt dazu auf der Autobahn den Wegweisern Richtung Flughafen und Jesolo, wo schließlich die Spitze der Halbinsel, die Punta Sabbioni, ausgeschildert ist.

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Übernachten

Um ein paar Tage ruhig und sicher außerhalb Venedigs zu verbringen, empfiehlt sich die Cavallino-Halbinsel. Im Sommerhalbjahr haben die kaum zu zählenden Hotels und Campingplätze alle geöffnet, und selbst zwischen Oktober und April sind noch genügend von ihnen in Betrieb. Perfekt liegt z. B. der kleine, gemütliche Campingplatz Al Bateo an der Punta Sabbioni. Zu Fuß sind es keine zehn Minuten bis zum Schiffsanlieger, von wo die Linienboote halbstündlich zum Markusplatz fahren (www.albateo.it). Ebenfalls günstig liegt die riesige Anlage Marina di Venezia. Dort kann man zelten oder einen Bungalow mieten und ist ein 15 Minuten zu Fuß am Schiffsanleger (www.marinadivenezia.it).

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Öffentlicher Nahverkehr

In Venedig fahren keine Busse, sondern Linienboote, die „Vaporettos“. Verschiedene Linien verbinden die Stadtteile miteinander. Um den Überblick zu behalten, holt man sich am besten an einer Fahrkartenausgabe einen Plan, auf dem sämtliche Linien verzeichnet sind. Ein Geheimtipp ist die Linie 61, die im Kreis in rund einer Stunde den Canal Grande und den Canale della Giudecca befährt und sich perfekt für eine Stadtrundfahrt eignet. Die Einzelfahrt mit dem Vaporetto kostet 6,50 Euro und gilt für eine Stunde, umgestiegen werden kann in dieser Zeit beliebig oft.

 

Um von Mestre oder Punta Sabbioni nach Venedig zu gelangen, nimmt man die etwas größeren Boote, die tagsüber im Halbstundenrhythmus verkehren. Von Punta Sabbioni benötigen sie 45 Minuten zum Markusplatz, wo man dann auf ein Linienboot umsteigen muss, um weiterzukommen. Auch hier kostet die einfache Fahrt 6,50 Euro und gilt für eine Stunde. Wer drüben in Venedig zusätzlich die Linienboote benutzen möchte, für den lohnt sich ein 12-Stunden-Ticket für 16,00 Euro oder ein 24-Stunden-Ticket für 18,00 Euro (36 Stunden kosten 23,00 Euro, 48 Stunden 28,00 Euro). Man bekommt sämtliche Tickets an den Schiffsanlegern von Mestre und Punta Sabbioni sowie an den meisten Linienboot-Haltestellen.

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Essen und Trinken

Das Frühstück fällt wie generell in Italien auch in Venedig bescheiden aus. Die Venezianer bestellen an der Bar einen Cappuccino, essen dazu ein oder zwei süße Teilchen, das war’s. Wer anschließend zur Arbeit geht, nimmt das Frühstück flott im Stehen ein, nur Rentner und Urlauber setzen sich dafür. Die süßen Teilchen sind in der Regel mit verschiedenen Marmeladen gefüllt und heißen „Dolce“ oder „Croissant“.

Fürs Mittagessen gibt es zwei Varianten: Hat man Zeit, setzt man sich an einen Restauranttisch. Ist man – wie die meisten Italiener – in Eile, isst man in Stehen. Für letztere Variante eignen sich sehr gut die vielen Bars, die alle eine reiche Auswahl an belegten Brötchen bereithalten. Ob „Tramezzini“ (belegte Weißbrotscheiben) oder „Panini“ (aus Weizenmehl, Maismehl oder Hartweizengrieß) - Qualität und Preisleistungsverhältnis sind stets perfekt. Dazu trinkt man ein Glas Wein, als Aperitif davor steht in Norditalien der „Spritz“ hoch im Kurs. Das ist ein Mixgetränk aus Aperol, Prosecco, Mineralwasser und einer Orangenscheibe. Gut und preiswert ist auch eine Scheibe Pizza von einem Pizza-Stand. Diese Stände sind über die ganze Stadt verteilt, ein besonders zu empfehlender steht kurz vor der Rialto-Brücke (wenn man vom Markusplatz kommt) rechts in einer Seitengasse. Zum Schluss einen Grappa, und das italienische Mittagessen ist perfekt.

Nachtisch gefällig? Dann ist die Auswahl gerade in Venedig riesig. Die „Pasticcerias“ sind voll mit traumhaften Leckereien und bieten dazu meist Kaffee im Stehen an. Klassiker sind Cantuccini (Mandelkekse), Cannoli (frittierte Teigrollen mit cremiger Füllung) und Panforte (eine Art Lebkuchen mit grober Füllung). Daneben warten jede Menge süßer venezianischer Spezialitäten, z. B. die „S“ di Venezia (Kekse).

 

Auch abends leitet der Italiener das Essen gerne mit einem Aperitif ein, am besten vor der Bar auf der Straße eingenommen. Etwas teurer, dafür von erlesener Qualität, gibt es Aperitif und Wein in den Enotecas, dieser typischen italienischen Kombination aus Alkoholhandel und Feinkostgeschäft. Danach geht man ins Restaurant, wo man sich fürs Abendessen viel Zeit lässt.

Der Tipp für Sparfüchse ist übrigens „al banco“. Das heißt „an der Bar“ und bedeutet, dass Getränke an der Bar grundsätzlich preiswerter sind als an den Tischen in Bar, Café oder Restaurant. Der Preisunterschied kann beträchtlich sein. So kostet z. B. ein Espresso an der Bar (das gilt auf für die teuren Nobelcafés am Markusplatz) meist nicht viel mehr als ein Euro, während man am Tisch zwischen zwei und fünf Euro bezahlt. Zum Schluss ein Tipp: Wer nach dem Frühstück noch einen Cappuccino bestellt, outet sich sofort als Tourist – die Italiener trinken tagsüber nur Espresso („caffè“).

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Sehenswürdigkeiten

In Venedig Sehenswürdigkeiten zu empfehlen, ist eigentlich überflüssig. Denn Venedig ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Jedes Haus, jeder Palazzo, jeder Kanal, jede Gasse, jede Straße ist einzigartig. In dieser Stadt ist die Zeit seit der Renaissance wirklich stehen geblieben. Wären nicht ab und zu ein paar Satellitenschüsseln zu sehen, könnte man abseits der touristischen Plätze glauben, man lebe vor 300 Jahren - fernes Stimmengemurmel, plätschernde Kanäle, nicht der geringste Autolärm.

 

Müssen es denn ein paar Sehenswürdigkeiten sein, sollte man nach der Ankunft am Schiffsanleger San Zaccaria Richtung Markusplatz schlendern, dabei einen Blick auf die Seufzerbrücke werfen, den Dogenpalast passieren (auch die Besichtigung lohnt sich), dann eine Runde unter den Arkaden des Markusplatzes drehen und anschließend dem ausgeschilderten Weg durch den Stadtteil San Marco zur Rialtobrücke folgen. Man kommt dabei durch enge, hohe Gassen, über romantische Brücken und landet schließlich an der Rialtobrücke, von der man einen bezaubernden Blick auf den Canal Grande hat. Für den Rückweg schlägt man einen leichten Bogen nordwärts über den Campo Santa Maria Formosa und durchquert den Stadtteil Castello. Der ist weniger schick als San Marco, entsprechend preiswerter und nicht ganz so vom Tourismus überlaufen. Hat man auf diese Weise wieder den Schiffsanleger erreicht, wendet man sich nach links und geht die Uferpromenade nach Osten entlang. Je weiter man voranschreitet, desto weniger werden die Touristen und desto entspannter die Atmosphäre. Links biegt die Via Giuseppe Garibaldi mit ihren Einheimischengeschäften ab, ein Stück weiter empfängt uns das Grün des Giardino Publico. Auf einer Bank sitzen, über die Lagune schauen, den Booten zusehen – so idyllisch kann Venedig sein. Tja, und dann ist der Tag meist schon vorüber.

 

Mit mehr als einem Tag Zeit im Gepäck sollte man unbedingt einmal von San Marco auf dem Ponte Accademia den Canal Grande überschreiten und im Stadtteil Dorsoduro links hinüber zur Kirche Santa Maria della Salute gehen. Von der Landspitze dort bietet sich der vielleicht schönste Blick auf Markusplatz und Dogenpalast. Danach geht man auf der südlichen Seite von Dorsoduro an der Uferpromenade entlang, genießt die Aussicht auf die Giudecca-Insel und findet quer durch das ursprüngliche Dorsoduro wieder zur Accademia-Brücke zurück. Weitere Tipps: ein Ausflug zur Glasbläser-Insel Murano mit ihren zauberhaften bunten Häusern, ein Spaziergang zur idyllischen und ruhigen Isola di San Pietro ganz im Osten Venedigs sowie ein Bummel entlang der Uferpromenade Fondamente Nuove im Norden der Stadt mit Blick auf die Friedhofsinsel Isola di San Michele.

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Einkaufen

Venedig ist Italien, und Italien ist Mode. Wer dafür etwas übrig hat, erlebt in Venedig das Paradies. Wenn man nicht gerade ein Edelgeschäft am oder um den Markusplatz aufsucht, findet man in den unzähligen Schuhläden erstklassige Schuhe zu Preisen, die oft einen Bruchteil derer in Deutschland betragen. Und das in einer unglaublichen Auswahl an Größen, Formen und Farben. Übrigens: Wegen des häufigen Hochwassers halten Venedigs Schuhläden schicke und bunte Gummistiefel bereit, die man bei uns nicht einmal zu sehen bekommt.
Auch Taschen sind in Venedig gut und günstig. Ob Damen- oder Herrentaschen, ob aus Leder oder Plastik, ob Geldbörse oder Reisekoffer – hier wird man fündig. Selbst die kleinsten Läden sind seriöse Geschäfte und hauen den Kunden bezüglich Qualität und Herkunft der Ware nicht übers Ohr. „Made in Italy“ ist Standard.

Schöne Schals für Damen und Herren bieten die meist mobilen Händler an. Für acht bis zehn Euro ersteht man bei ihnen Schals in tollen Farben und Designs, die allerdings fast immer aus Asien kommen. Für ein aus Italien stammendes Stück muss man über zehn Euro anlegen.

 

Wer sich für unterwegs oder für den Abend verpflegen will, kommt am täglich vormittags stattfindenden Rialto-Markt nicht vorbei. Gleich hinter der Rialtobrücke im Stadtteil San Polo schlagen die Händler ihre Stände auf, und der Kunde kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: Hier liegen die schönsten und edelsten Früchte, das bunteste Gemüse und die schmackhaftesten Fische. Venedig unterhält eigene Gemüseinseln, die den Markt beliefern.

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Bücher

Als Stadt des Prunks, der Leidenschaft, der Kunst und der Schönheit ist Venedig selbstverständlich Thema von Büchern jegliches Genres. Ob Krimi, Liebes- oder Historienroman – wer sich für Bücher interessiert, die in Venedig spielen, hat eine große Auswahl.

 

Krimiliebhabern sei vor allem Donna Leons Commissario Brunetti empfohlen. Die Amerikanerin wohnt seit 1981 in Venedig und schickt ihren grüblerischen Detektiv seitdem jedes Jahr erneut auf Verbrechersuche. Mit lockerer Hand schreibt Donna Leon über Brunettis Kampf gegen Verbrechen und Korruption, ihre Romane lesen sich leicht und flüssig. Die Wendungen sind oft überraschend, die Lösung des Falles ist meist nicht vorhersehbar und unerwartet. Für den nötigen Schuss Ironie sorgen Nebenfiguren wir Sergente Vianello (Brunettis Assistent), Vice-Questore Patta (sein Chef) und Brunettis Frau und Kinder, die ihren Ehemann bzw. Vater meist nicht sehr ernst nehmen. Erschienen bei Diogenes, die gebundenen Ausgaben kosten Euro 21,90, die Taschenbücher Euro 10,90.  

 

Weniger humorvoll geht es in dem Venedig-Klassiker schlechthin zu: Der Tod in Venedig. Thomas Mann erzählt die Geschichte des nicht mehr ganz jungen Münchener Schriftstellers Gustav Aschenbach, der sich während einer schöpferischen Pause in Venedig in den Knaben Tadzio verliebt. Er geht an dieser hoffnungslosen Liebe zugrunde und stirbt in Venedig. Schwere Kost? Eigentlich nicht. Hat man sich erst einmal an den uns heute etwas umständlich erscheinenden Sprachstil des Jahres 1911 gewöhnt, liest man sich zügig durch die Novelle. Die erzielt ihre Spannung durch die immer verrückter werdenden Versuche Aschenbachs, Tadzios Gunst zu gewinnen und dabei den drohenden gesellschaftlichen Skandal zu vermeiden. Dass dies heute nicht anders wäre, macht das Buch aktueller denn je. Erschienen bei Fischer für Euro 6,95. 

 

Etwas außerhalb der Gesellschaft bewegen sich auch die Helden von Cornelia Funkes Kinderbuch Herr der Diebe. Thema der Handlung ist eine Kinderbande, die im herbstlich kalten Venedig ihr Unwesen treibt. Angeführt wird sie von einem maskierten Unbekannten, dessen Identität niemand kennt und der nur „Herr der Diebe“ genannt wird. Die beiden Brüder Bo und Prosper, zwei Waisen auf der Flucht vor ihren bösen Stiefeltern, finden bei der Bande Unterschlupf und müssen so manches Abenteuer bestehen. Und selbstverständlich kommen sie auch hinter das Geheimnis ihres Anführers. Erschienen bei Dressler für Euro 17,90. 

 

Im Venedig des beginnenden 16. Jahrhunderts spielt der Roman Die Lagune des Löwen von Eva Völler. Unter dem Pseudonym Charlotte Thomas erzählt sie die Geschichte von Laura, die vor ihren Feinden flieht, und Antonio, der sich als Dieb durchs Leben schlägt. Gemeinsam mit dem Sklaven Carlo und der Hure Valeria versuchen sie, das karge und entbehrungsreiche Leben zu meistern. Sie verlieren sich aus den Augen, treffen sich Jahre später wieder, scheinen endlich ihr Glück zu finden, als ein Krieg Venedig heimsucht. Das Buch bietet alles, was einen guten Historienroman ausmacht: Liebe, Trauer, Eifersucht, Freundschaft, aber auch Hurerei, Mord, Krieg, Elend und die Pest. Erschienen bei Bastei Lübbe für Euro 9,99. Weitere Venedig-Titel von Völler/Thomas sind Die Madonna von Murano und Die Liebenden von San Marco. 

 

Als Comedy in Prosa könnte man Hannu Raittilas Werk Canal Grande bezeichnen. Der finnische Autor schildert die Abenteuer einer Delegation aus Finnland, die nach Venedig reist, um die Lagunenstadt vor dem Absaufen zu retten. Dabei trifft finnischer Schwermut auf italienische Leichtlebigkeit. Die wackeren Finnen kämpfen verbissen mit dem italienischen Behördenwahnsinn, irren im Nebel durch Venedig, finden den Markusplatz nur mit GPS und müssen schließlich einsehen, dass sie Venedig höchstwahrscheinlich nicht retten werden. Wer intelligenten Slapstick mag, wird an diesem Buch seine Freude haben. Erschienen bei BTB für Euro 9,00. 

 

Spannend und packend geht es in dem Roman Marco Polo - der Besessene von Gary Jennings zu. Bereits 1984 erschienen, beschreibt das Buch die abenteuerliche Reise Marco Polos von Venedig an den Hof des Kublai Khans. Dabei schildert Jennings in erster Linie jene Episoden, die bislang über Marco Polo noch nicht in den Geschichtsbüchern stehen. Dass Jennings bei seiner Recherche dieselben Reisemittel wie sein Romanheld benutzte, gibt dem Buch die nötige Portion Authentizität. Sex and Crime, fremde Kulturen, exotische Landschaften – wer spannende historische Unterhaltung mag, wird von diesem Buch begeistert sein. Erschienen bei Fischer Taschenbuch für Euro 9,95. 

 

In der Vergangenheit und in der Jetztzeit spielt Die Glasbläserin von Murano. Geschickt pendelt die venezianische Autorin Marina Fiorato in ihrem ereignisreichen Historienroman zwischen dem 17. Jahrhundert, der großen Zeit der Glasbläser, und dem 21. Jahrhundert, in dem die junge Leonora Manin auf Ungereimtheiten in der Geschichte ihrer Familie stößt: Obwohl es damals den Glasbläsern von Murano bei Todesstrafe verboten war, die Insel zu verlassen, wagte ein Vorfahr Leonoras die Flucht. Noch ahnt Leonora nicht, wie eng die Vergangenheit mit ihrer eigenen Zukunft verknüpft ist. Erschienen bei rororo für Euro 9,99. 

 

In die k.u.k-Zeit versetzt der Krimi-Autor Nicolas Remin seinen Commassario Tron. So wird im ersten von bislang sechs Fällen ein hoher österreichischer Offizier in der Kabine eines Raddampfers tot aufgefunden. Trons Ermittlungen werden zunächst von der österreichischen Militärpolizei gestört, doch dann erhält er Unterstützung von prominenter Seite: Kaiserin Elisabeth von Österreich hat ein persönliches Interesse an der Aufklärung des Falles. Schnee in Venedig ist nicht nur ein spannender Krimi, sondern gibt auch tiefe und oft humorvolle Einblicke in die Welt der k.u.k-Monarchie. Kein blutrünstiger Krimi, sondern solide, spannende Unterhaltung. Erschienen bei rororo für Euro 9,95. 

 

Ob Urbino Macintyre tatsächlich Die Letzte Gondel nimmt, wird in Edward Sklepowichs gleichnamigem Buch nicht beantwortet. Darum geht in dem stilistisch und erzählerisch überzeugenden Roman auch gar nicht. Es ist vielmehr ein verfallener Palazzo, dem Gerücht nach ein Ort des Todes, der den Detektiv interessiert. Angeblich soll hinter den dicken Mauern ein Sonderling inmitten eines reichen Kunstschatzes wohnen. Als der Alte Urbino zu sich bestellt, wird es für Urbino brenzlig. Der Krimi des Amerikaners Sklepowich erschien für Euro 8,95 bei Ullstein und ist gebraucht bei Amazon oder im Antiquariat zu haben. 

 

Als Meisterin der psychologischen Spannung ließ es sich Patricia Highsmith nicht nehmen, die Handlung eines ihrer Kriminalromane nach Venedig zu verlegen. Venedig kann sehr kalt sein heißt das Buch, in dem es um ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel geht. Edward Coleman glaubt, sein Schwiegersohn Ray Garrett hätte seine Tochter umgebracht. Garrett flieht nach Venedig, Coleman folgt ihm, und bald ist nicht mehr klar, wer in dem Labyrinth von Gassen und Kanälen Jäger oder Gejagter ist. Erschienen bei Diogenes für Euro 10,90.  

 

...................................................................................................................................................................................................

 

Filmtipps

Wer Venedig das erste Mal besucht, traut kaum seinen Augen. Wasser übernimmt in der Lagunenstadt die Funktion des Asphalts, Gondeln gleiten wie schon im 11. Jahrhundert durch die Kanäle, Palazzi zeigen stolz den Wohlstand ihrer Besitzer, Gondolieri ziehen in ihren blau weiß gestreiften Pullovern den Sonnenhut vor der Kundschaft. Kein Wunder also, dass manch ein Besucher sich vorkommt, als sei er versehentlich in eine Filmkulisse geraten. Und das ist gar nicht mal so verkehrt. Unzählige Regisseure bedienten sich der spektakulären Schönheit und des morbiden Charmes Venedigs für ihre Filme, verewigten die einmalige Atmosphäre auf Zelluloid. Die Liste ist unendlich lang. Manchmal spielt die gesamte Handlung in Venedig, manchmal nur einzelne Episoden. Wie auch immer – sehenswert sind die Filme alle. Vor der Reise gesehen, stimmen sie uns auf Venedig ein, machen Lust auf die Perle im Mittelmeer, entfachen das Reisefieber. Nach der Reise frischen sie die Erinnerungen auf und man freut sich, eine Brücke, ein Gebäude, ein Café oder einen Platz im Film wieder zu erkennen.

 

Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck erzählt im Bonusmaterial zur DVD, dass er mit The Tourist einen eleganten Film machen wollte, ganz im Stil des frühen Hollywood. Und welche Stadt ist von Natur aus elegant? Klar, Venedig. Vermutlich hat er sich deshalb für sie als Schauplatz entschieden und den scheuen Amerikaner Frank (Johnny Depp) und die schöne Elise (Angelina Jolie) mit dem TGV von Paris in die Lagunenstadt geschickt. Auch dort kreuzen sich ihre Wege und Elise beginnt mit Frank zu flirten, lädt ihn ein, in ihrer Suite zu übernachten. Doch die Romanze hat unerwartete Nebenwirkungen. Am nächsten Morgen heften sich Polizei, Geheimdienste und das organisierte Verbrechen an die Fersen des ahnungslosen Touristen. Frank will unbedingt herausfinden, in welches gefährliche Spiel er geraten ist. Und der Schlüssel dazu ist die mysteriöse Elise. In diesem Streifen gibt es viel Action auf den Kanälen Venedigs und viel Amore in luxuriösen Palazzi. Mit ruhiger Kamera zeigt uns der deutsche Regisseur Venedigs Highlights.  

 

Bereits der Vorspann von The Italian Job - Jagd auf Millionen stimmt auf Venedig ein: Stimmungsvolle Fotos der Kanäle und Häuser in der noch milchigen Morgenluft sind zu sehen, die berühmte Seufzerbrücke, ein Gondoliere, der seine Gondel für die Gäste vorbereitet. Dazwischen geschnitten ist der Stadtplan der Lagunenstadt. Aber was bedeutet die kreisrunde Markierung um den Markusplatz? Warum ist ein Palazzo besonders hervorgehoben? Was zeichnet der Meisterdieb Charlie Croker (Mark Wahlberg) eigentlich ein? Ganz einfach. Er plant einen Coup. Gestohlen werden sollen Goldbarren im Wert von 35 Millionen Dollar, die sich in einem gut bewachten Safe in eben diesem Palazzo befinden. Und Charlie zeichnet gerade das Ablenkungsmanöver ein. Während ein Teil seiner Crew, unter anderem Edward Norton und Donald Sutherland, die Goldbarren unter Wasser in Sicherzeit bringt, lenkt der andere Teil, darunter Jason Statham, die Polizei mit einer inszenierten Flucht durch die Kanäle davon ab. Alles geht gut. Charlies Plan hat perfekt funktioniert. Die Truppe feiert anschließend ihren Sieg mit Champagner und Zigarren. Doch keiner von ihnen ahnt, dass ein Verräter mitten unter ihnen ist...  

 

Die kurze Schlussszene von Liebesgrüße aus Moskau spielt in einem Hotelzimmer in Venedig. Nachdem es sämtlichen Agenten der Verbrecherorganisation SPECTRE nicht gelungen ist, James Bond (Sean Connery) in eine tödliche Falle zu locken, erhält Rosa Klebb (Lotte Lenya), eine letzte Chance, Bond endgültig zu eliminieren. Und so stehen sich in Venedig 007 und die abtrünnige KGB-Agentin gegenüber. Sie ist als Zimmermädchen verkleidet und wird von Bond zuerst nicht erkannt. Dadurch ist er nur einen Wimpernschlag davon entfernt, von ihr erschossen zu werden. Doch Tatiana Romanova, Bonds Geliebte, greift die Frau an und schlägt ihr die Waffe aus der Hand. Rosa Klebb spiel ihren letzten Trumpf aus: eine vergiftete Schuhspitze. Damit tritt sie immer wieder nach Bond - ein Kampf auf Leben und Tod. Zum Glück schnappt sich Tatiana die Waffe, erschießt Klebb und rettet 007 damit aus höchster Not.  

 

Der Raumgleiter Moonraker wird entführt. James Bond (Roger Moore) erhält den Auftrag, den gesamten Weg des Space Shuttles von seiner Herstellung bei der Firma Drax in Kalifornien bis zu seinem Verschwinden zu verfolgen. Seine Recherche führt ihn unter anderem nach Venedig. Dort besucht Bond eine Glasbläserei, die für Drax spezielle Glaszylinder produziert. Kurz nachdem er seine Gondel besteigt, wird Bond angegriffen. Eine wilde Jagd endet mit der Verwandlung der Gondel in ein Luftkissenboot und seiner Flucht über den Markusplatz. Jetzt weiß 007, dass er auf der richtigen Spur ist. Nachts besucht Bond erneut die Glasbläserei und findet dort ein geheimes Laboratorium vor. Sein Besuch bleibt nicht unbemerkt und entfacht einen heftigen Kampf wobei im angrenzenden Glasmuseum allerlei zu Bruch geht. Am nächsten Tag will Bond seinem Chef M und dem Verteidigungsminister das entdeckte Labor zeigen. Doch das Labor ist über Nacht wie von Geisterhand verschwunden, alle Spuren des Kampfes vom Vortag wurden beseitigt. Bond wird offiziell vom Fall abgezogen, inoffiziell recherchiert er trotzdem weiter …

Venedig, besser gesagt die Insel Murano, ist für seine Glasbläserkunst berühmt. Wer Interesse hat, sollte die kurze Fahrt dorthin machen und eine der Glasbläsereien besichtigen. In zahlreichen Geschäften kann man allerlei Nützliches und Unnützliches erwerben. Zwischen dem vielen bunten Glas lässt sich immer etwas Geschmackvolles finden, worüber sich die Lieben zuhause garantiert freuen werden.  

 

Venedig ist eine auf Pfählen gebaute Lagunenstadt, die nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das Wasser steht bereits um einige Zentimeter höher als noch vor 100 Jahren und steigt gegenwärtig im Durchschnitt um einige Millimeter pro Jahr. Der Klimawandel könnte das Problem noch verschlimmern. Pessimisten prophezeien Venedig den baldigen Untergang obwohl die Venezianer dagegen ankämpfen, indem sie die Fundamente der Palazzi stetig erneuern und stabilisieren. Genau dieses Thema hat sich Regisseur Martin Campbell rausgesucht und den Showdown von Casino Royale in einem renovierungsbedürftigen Palazzo inszeniert. James Bond, gespielt von Daniel Craig, schießt bei der Jagd auf die Bösewichte in die überdimensionalen Luftkissen, die während der Reparaturarbeiten das Fundament ersetzen. Sie explodieren mit einem lauten Knall und sofort entweicht aus ihnen die Luft. Das ganze Gebäude wird dadurch instabil, verliert seinen Halt und beginnt zu sinken. Die Aufnahmen sind spektakulär. Das Wasser im und rund um das Gebäude sprudelt, als würde es kochen. Der Außenkamin fällt in sich zusammen, die Dachziegeln rutschen herunter, der Balkon stürzt ab. Das Gebäude ist bereits halb versunken als es James Bond endlich gelingt seine Widersacher auszuschalten. Da bricht im Innern der eiserne Aufzugsschacht aus den Angeln. Seine Geliebte Vesper Lynd, gespielt von Eva Green, steckt darin fest und droht mit dem Haus unterzugehen. Kann der Geheimagent seiner Majestät sie noch rechtzeitig aus ihrem nassen Gefängnis befreien?  

 

Der talentierte Mr. Ripley. Tom Ripley, dargestellt von Matt Damon, erhält den Auftrag, nach Italien zu reisen, um den amerikanischen Playboy Dickie Greenleaf, dargestellt von Jude Law zu überreden, in die USA zurückzukehren. Dickie aber denkt gar nicht daran dem Wunsch seines Vaters zu entsprechen, sondern zieht es vor, weiterhin das Dolce Vita mit seiner hübschen Verlobten Marge (Gwyneth Paltrow) in vollen Zügen zu genießen. Tom beneidet Dickie um das Leben, das er führt, um die Dinge die er besitzt, wie er so ist. Bei einer Rauferei in San Remo, die sich zum todernsten Kampf entwickelt, tötet Ripley den Menschen, den er wahrscheinlich am meisten auf dieser Welt bewundert und beneidet. Tom reist nach Venedig, um seine Spuren zu verwischen. Mit viel Talent verwandelt er sich von nun an in Dickie Greenleaf, schlüpft in dessen Haut, wohnt in seiner venezianischen Wohnung, täuscht Freunde, die Carabinieri, und sogar Dickies Vater. Lediglich Marge lässt sich nicht irreführen. Sie stellt Tom in Venedig, ist davon überzeugt, dass er ihren Verlobten umgebracht hat. Kommt Mr. Ripley mit seinem Talent, sich als jemand anders auszugeben, durch?  

 

Rosalba (Licia Maglietta) traut ihren Augen nicht: Als sie von den Toiletten der Autobahnraststätte zurückkommt, sind der Ausflugsbus, ihr Mann, ihre zwei Söhne und die Reisegruppe weg. Einfach weg. Ihre Familie hat sie dort vergessen! Erst versucht Rosalba nach Hause zu trampen, landet aber durch Zufall in Venedig. Die perfekte Hausfrau und Mutter, die im Alltag von der Familie übersehen wird, nutzt den Vorfall als Chance, ihr Leben zu ändern. Beim Kellner Fernando (Bruno Ganz) wohnt sie zur Untermiete und lernt bei ihren Streifzügen durch Seitenstraßen und Nebengassen noch anderen skurrile Menschen kennen: Einen Blumenhändler, eine Masseuse und den Detektiv, den ihr Mann mit der Suche nach ihr beauftragt hat. Wandeln Sie in Brot & Tulpen mit Rosalba durch Venedig und entdecken Sie mit ihr die Ecken und Winkel fernab der Touristenpfade, beobachten Sie Rosalbas Veränderung. Endet der Trip mit einem Happy End oder findet der Detektiv die Hausfrau und schleppt sie wieder zurück an den Herd?  

 

Die Waisenkinder Prosper und Bo fliehen vor ihrem Onkel und ihrer Tante nach Venedig. Nach dem Tod ihrer Mutter soll der fünfjährige Bo bei ihnen wohnen, der zwölfjährige Prosper jedoch im Kinderheim. Die Geschwister wollen sich keinesfalls voneinander trennen und reißen aus. Aber wieso ausgerechnet nach Venedig? Wie kommen die Kinder darauf? Ganz einfach: Weil es die Lieblingsstadt ihrer Mutter war und es weit weg von ihren Verwandten liegt. Hungrig und verzweifelt treffen sie dort auf den geheimnisvollen Herrn der Diebe, der sein Gesicht hinter einer Maske versteckt. Er nimmt sich ihrer an und bringt sie in sein Bandenversteck, ein verlassenes Kino. Weil das Kino damals Stella hieß, nennen es die Kinder ihr Sternenversteck. Doch Bo und Prosper sind nicht einmal in Venedig vor ihrem Onkel und ihrer Tante sicher. Ein von den Verwandten beauftragter Privatdetektiv folgt ihrer Spur durch die ganze Stadt …

Wer Kinder hat, sollte sich den Film unbedingt mit ihnen ansehen. Die Stadt wird darin mit allen ihren Facetten gezeigt: Der Herr der Diebe wohnt in einem Palazzo, es gibt eine Verfolgungsjagd durch die Kanäle und der geflügelte Löwe, das Wahrzeichen Venedigs, spielt eine Schlüsselrolle. Wir haben bei unserem letzten Besuch viele Kinder gesehen, die sich genau die gleiche Maske gekauft haben, wie sie der Herr der Diebe trug. Die gibt es in der Karnevalhochburg Venedig überall zu kaufen und sie passt in jeden Tankrucksack – ein tolles Mitbringsel für Kinder.  

 

Venedig im Jahr 1973. Venedig im Winter. Ein britisches Ehepaar, John (Donald Sutherland) und Laura Baxter (Julie Christie), steht unter Schock. Seine Tochter ist vor kurzem ertrunken. Um darüber hinweg zu kommen, übernimmt John den Auftrag, eine Kirche in Venedig zu restaurieren. Eines Tages haben die beiden eine ziemlich beunruhigende Begegnung mit zwei Schwestern, von denen eine offenbar hellseherische Fähigkeiten hat. Sie behauptet, die verstorbene Tochter an ihrem Tisch sehen zu können. Laura ist davon fasziniert, aber ihr Mann hält es für Hokuspokus. Doch eines Tages, glaubt auch er, seine Tochter in ihrem markanten roten Regenmantel mit Kapuze in Venedigs Gassen zu sehen und verfolgt sie. Ein mysteriöses Ereignis reiht sich ans andere, bis es zu einer Katastrophe kommt.

Wer genau hinschaut sieht in den Bildern von Regisseur Nicolas Roeg das alte Venedig, das morbide Venedig, das noch unrestaurierte Venedig. Welch ein Kontrast zu heute, wo die Plätze, Häuser, Palazzi, Brücken und Kirchen in neuem Glanz erstrahlen. Übrigens: Der Film Wenn die Gondeln Trauer tragen ging in die Filmgeschichte ein und beeindruckt Regisseure bis heute. Eine Hommage sieht man in dem James-Bond–Film Casino Royale. 007 sucht und verfolgt seine Geliebte Vesper durch Venedigs Gassen. In Anlehnung an den roten Regenmantel trägt die Frau ein rotes Kleid. 

 

Der junge Adlige Bassanio (Joseph Fiennes) möchte in Venedig zur Zeit der Renaissance der schönen und reichen Portia (Lynn Collins) den Hof machen. Da ihm das Geld fehlt um standesgemäß zu ihrem Landsitz zu reisen, bittet er seinen Freund, den Kaufmann Antonio (Jeremy Irons), um 3.000 Dukaten. Antonios gesamtes Vermögen ist derzeit in Schiffshandelsgeschäften angelegt, deren Schiffe auf allen Weltmeeren unterwegs sind. Deshalb bietet der Kaufmann von Venedig seinem Freund an, das Geld bei dem jüdischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino) zu besorgen. Shylock hasst Antonio, weil dieser ihn für gewöhnlich voller Verachtung behandelt, beschimpft und sogar anspuckt, wenn ihm danach ist. Und daher fordert der Jude, dass - sollte die Schuld nicht binnen drei Monaten beglichen sein - der Preis dafür ein Pfund von Antonios Fleisch sein soll. Es kommt wie es kommen musste: Die Schiffe des Kaufmanns sinken. Er kann die Rückzahlungsfrist nicht einhalten. Der Geldverleiher fordert sein Pfand ein.

Der Film Der Kaufmann von Venedig ist üppig ausgestattet, hervorragend gespielt. Was einen trifft ist der Antisemitismus, den Shakespeare nicht zufällig als Thema nach Venedig gebracht hat, denn das jüdische Ghetto von Venedig war das erste Ghetto ganz Europas und wurde am 29. März 1516 eingerichtet. Dieser Name wurde dann als allgemeine Bezeichnung jüdischer Viertel, auch außerhalb Venedigs, übernommen. Es handelte sich um einen abgegrenzten Stadtteil, in dem man die Juden zu leben zwang und den sie zwischen dem Sonnenuntergang und dem Morgengrauen nicht verlassen durften. Die Isolation der jüdischen Gemeinde in Venedig dauerte bis 1797. Diesen Stadtteil gibt es heute immer noch. Das Ghetto unterscheidet sich vom Rest der Stadt durch ein anderes Aussehen, durch die case-torri. Das sind Turmhäuser mit einer ungewöhnlichen Zahl von Etagen und mit einer extrem niedrigen Zimmerhöhe, häufig unter 2 Metern.  

 

Commissario Brunetti – Spezial

Die neue KRIMI EDITION von Universum Film ist für jeden Donna-Leon-Fan ein absolutes Muss! In blutroten DVD-Hüllen und trauerschwarzen Wendecovern (sehr stylisch) nimmt uns Commissario Guido Brunetti mit ins malerische Venedig auf die Jagd nach dem Bösen. Auf dieser DVD löst Brunetti gleich zwei komplizierte Fälle: Acqua Alta & Venezianisches Finale. Und so folgen wir ihm 174 Minuten lang durch Venedigs Gassen, in die Questura, zu sich nach Hause, in die Palazzi oder Bruchbuden der Verdächtigen, fahren mit ihm auf dem Canal Grande und in die Lagune hinaus. Immer auf der Suche nach der Wahrheit.  

 

Venezianisches Finale Commissario Brunettis erster Fall

Er war tot, noch bevor seine Tasse auf dem Boden des Theaters La Fenice aufschlug. Der verschüttete Kaffee verbreitete in der Garderobe von Helmut Wellauer den Duft von bitteren Mandeln. In der Pause vor dem letzten Akt der Verdi-Oper La Traviata hatte der Stardirigent seinen letzten Espresso getrunken – mit einem Schuss Zyankali. Ein Fall für Commissario Brunetti (gut dargestellt von dem sympathischen Uwe Kockisch). Von Anfang an mangelt es Brunetti nicht an Verdächtigen. Da wäre als Erstes die junge Ehefrau und Alleinerbin des Vermögens. Das Paar war erst seit zwei Jahren verheiratet und Signora Wellauer über dreißig Jahre jünger als ihr Mann. Oder die Sopranistin Flavia Petrelli, die eine Beziehung mit ihrer Sekretärin (Brett Lynch) hat. Der Stardirigent drohte, ihrem Ex-Mann von dem Verhältnis zu berichten. Für die Sopranistin wäre das eine Katastrophe, denn Petrellis Ex-Mann würde diese Info umgehend dazu nutzen, ihr Sorgerecht für die Kinder anzufechten. Schließlich kommt noch die alternde Sängerin Clemenza Santini ins Spiel, deren Karriere Helmut Wellauer vor Jahren ruiniert hatte. Nicht nur das. Der Dirigent vergriff sich an ihrer zwölfjährigen Schwester, schwängerte sie und ließ sie nach einer illegalen Abtreibung in einem Hotelzimmer verbluten. Brunetti setzt Puzzleteilchen für Puzzleteilchen zusammen. Ganz ruhig und souverän. Rückenwind bekommt er von seinem erfahrenen Mitarbeiter Sergente Vianello und der findigen Sekretärin Signorina Elettra. Gegenwind dagegen von seinem Vorgesetzten Vice-Questore Patta, köstlich gespielt von Michael Degen. Am Ende löst Commissario Brunetti den Fall und wir erfahren, ob die junge Frau Wellauer, die lesbische Flavia Petrelli oder die verarmte Clemenza Santini das Gift in den Espresso des Maestros gemischt hatte.

Das Drehbuch von Kathrin Richter und Ralf Hertwig ist hervorragend, dramaturgisch perfekt. Es hält sich, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, haarscharf an den gleichnamigen Roman von Donna Leon. Auch der Kameramann Dragan Roguli verdient Lob. Seine Großaufnahmen der Kaffeetasse auf den Notenblättern, des trinkenden Dirigenten und dessen zitternder Hand kurz vor seinem Tod erinnern an Alfred Hitchcock, der diese riesigen Einstellungen von Details erstmals aufbrachte. Vor allem aber zeigt uns Roguli die Schönheit und Vielfältigkeit Venedigs: romantische Sonnenuntergänge, den unter Wasser stehenden Markusplatz, dichten Nebel zwischen den Gassen, typische Bars und Restaurants, prachtvolle Palazzi, den Canal Grande. Ob wir es den Drehbuchautoren, dem Kameramann oder Regisseur Sigi Rothemund verdanken, dass die Schlussszene (Schauplatz anders als im Buch) auf dem alten Flughafen des Lidos gedreht wurde, weiß ich nicht. Wer sie sich auch immer ausgedacht hat, beherrscht sein Handwerk. Das Ende von Venezianisches Finale ist ein großartiger Schluss, fast eine Hommage an den Jahrhundertfilm Casablanca. Nur dass statt Rick (Humphrey Bogart) Commissario Brunetti einem startenden Flugzeug nachschaut.



Acqua Alta Commissario Brunettis fünfter Fall

Brunetti wird ausnahmsweise nicht zu einem Mordfall auf den Plan gerufen sondern durch einen Überfall auf die Archäologin Brett Lynch (Gesine Cukrowski). Sie wurde auf ihrem Nachhauseweg in einer abgelegenen Gasse von zwei Männern brutal zusammengeschlagen. Brunetti und die Expertin für chinesische Keramik sind gute Bekannte. Trotzdem hat der Commissario bei seinem Besuch im Krankenhaus das Gefühl, Brett Lynch verschweige ihm etwas. Nicht genug: Vice-Questore Patta verbietet Brunetti jegliche Nachforschungen, dafür seien die Uniformierten zuständig - er halte das für reine Verschwendung von Dienstzeit. Als aber Venedigs Bürgermeister, der mit der Archäologin befreundet ist, bei Patta anruft, soll der Fall so schnell wie möglich aufgeklärt werden. Commissario Brunetti und Sergente Vianello stürzen sich in ihre Ermittlungen quer durch Venedig, werden jedoch bei ihrer Arbeit von Regen und Hochwasser - Acqua Alta - behindert. So wie der Wasserpegel in der Lagunenstadt steigt, so steigt auch die Spannung, als zwei Tage später Museumsdirektor Semenzato ermordet wird und gleich darauf der Antiquitätenhändler Murino. Bei Brunettis hartnäckigen Nachforschungen kommt heraus, dass Museumsdirektor und Antiquitätenhändler gemeinsam illegale Geschäfte mit Kunstwerken betrieben. Dabei ging es um viel Geld. Doch wo war die Verbindung zwischen den Morden in der Kunstszene und dem Überfall auf Brett Lynch? Brunetti findet sie in der letztjährigen Ausstellung Chinesischer Keramiken. Diese große Schau haben der Museumsdirektor und die Archäologin zusammen auf die Beine gestellt. Zwei kostbare Vasen aus dieser Ausstellung und fast perfekte Kopien davon führen Commissario Brunetti auf die Spur von La Capra (göttlich gespielt von Gottfried John!), einem fanatischen Kunstsammler.

Acqua Alta ist genauso aufwändig inszeniert wie Venezianisches Finale. Die Crew um Regisseur Sigi Rothemund hat wieder ganze Arbeit geleistet: gutes Drehbuch, Sehnsucht weckende Bilder, typische Schauplätze – Venedigs ganzer Charme. Das i-Tüpfelchen: Gottfried John. Nicht nur in dem James-Bond-Streifen Golden Eye hat er in der Rolle des Colonel Ourumov gezeigt, dass er es mit den ganz Großen der Branche aufnehmen kann. Auch in Acqua Alta zeigt Gottfried John sein großes Repertoire an Gesten und Blicken, spielt mit ganzem Körpereinsatz. Absolut sehenswert.


Donna Leon: Acqua Alta & Venezianisches Finale (Krimi Edition)
Veröffentlichung: 02.09.2011
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 174 Minuten
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: DD 2.0
Sprachen: Deutsch
Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch

 

Kontakt & Impressum

  |  

Sie sind hier:  >> Reisetipps  >> Reisetipp: Venedig